{"id":1873,"date":"2021-01-26T10:05:54","date_gmt":"2021-01-26T08:05:54","guid":{"rendered":"http:\/\/michaelbouteiller.de\/?p=1873"},"modified":"2021-08-20T09:36:05","modified_gmt":"2021-08-20T07:36:05","slug":"zur-erinnerung-an-die-luebecker-brandnacht-vom-18-1-1996-das-asylbewerberheim-in-der-hafenstrasse-96","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/?p=1873","title":{"rendered":"Die L\u00fcbecker Brandanschl\u00e4ge 1994 &#8211; 1997"},"content":{"rendered":"\r\n<h3>Die vier Brandanschl\u00e4ge der 90er Jahre haben L\u00fcbeck ver\u00e4ndert<\/h3>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es begann mit dem Anschlag auf die Synagoge. Dieser Brand ersch\u00fctterte die Stadt. Der Spiegel hat die Geschehnisse zusammengefasst (<a href=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/?p=1873\">https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/luebeck-rueckblick-auf-den-anschlag-der-synagoge-1994-a-1258588.html). <\/a><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"718\" height=\"406\" class=\"wp-image-1874\" src=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/4cbfcf01-6ed3-48ed-89e4-e60d58dce25c-1147-0000009d896e2892_file.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/4cbfcf01-6ed3-48ed-89e4-e60d58dce25c-1147-0000009d896e2892_file.jpg 718w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/4cbfcf01-6ed3-48ed-89e4-e60d58dce25c-1147-0000009d896e2892_file-300x170.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px\" \/>\r\n<figcaption>Foto:\u2002Marwitzky\/ LN\/ action press<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<h2>Brandanschl\u00e4ge in L\u00fcbeck<\/h2>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<h4>Hass, Rassismus und eine Synagoge in Flammen<\/h4>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1994 z\u00fcndeten Rechtsradikale L\u00fcbecks Synagoge an. Erstmals seit dem Nazi-Terror brannte wieder ein j\u00fcdisches Gotteshaus &#8211; und das war erst der Anfang. Zeitzeugen erinnern sich an vier Jahre der D\u00fcsternis.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/impressum\/autor-c47a6d4e-0001-0003-0000-000000011959\">Christoph Gunkel<\/a><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">25.03.2019, 10.54 Uhr<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da war dieser helle Lichtschein, fast ein Blitz, der ihn weckte. Seltsam, ein Wetterumschwung? Chaim Kornblum stand auf, es war nach 2 Uhr in der Nacht zum 25. M\u00e4rz 1994, und ging ans Fenster. Dann sah er das Feuer im Geb\u00e4ude nebenan.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da brannte kein beliebiges Haus. Sondern L\u00fcbecks Synagoge von 1880, in der Kornblum als Vorbeter arbeitete. Zum ersten Mal seit der NS-Zeit stand in Deutschland wieder eine Synagoge in Flammen.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;In so einem Moment realisiert man das gar nicht richtig&#8220;, erinnert sich der 58-J\u00e4hrige. Er habe keine Zeit gehabt, sich den Kopf zu<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">zerbrechen, warum es brannte. Denn nicht nur das Nebengeb\u00e4ude war bewohnt, auch in der Synagoge gab es vier Wohneinheiten, beheizt per Gastherme. Das konnte gef\u00e4hrlich werden.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 2.17 Uhr alarmierte Kornblum die Feuerwehr. Dann rannte er in die Synagoge, warnte die Bewohner, holte den Schl\u00fcssel zum Tor des Gel\u00e4ndes, um den Rettungskr\u00e4ften zu \u00f6ffnen. Sie trafen neun Minuten sp\u00e4ter ein. Der Schock, die Angst und Wut &#8211; das alles ergriff Kornblum und die 600 Mitglieder der j\u00fcdischen Gemeinde erst sp\u00e4ter, als der Brand gel\u00f6scht war, den Attent\u00e4ter mit Molotowcocktails entfacht hatten.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Seiteneingang und ein Vorraum waren verkohlt, Dokumente verbrannt &#8211; einen Tag vor dem Pessachfest. Der Sachschaden belief sich auf 160.000 Mark, die psychologischen Wunden gingen tiefer. Die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/70-jahre-reichskristallnacht-startschuss-fuer-den-systematischen-terror-a-948000.html\">Reichspogromnacht von 1938<\/a> war pl\u00f6tzlich wieder pr\u00e4sent. &#8222;Die Mordbrenner kehren zur\u00fcck&#8220;, titelte die &#8222;taz&#8220;.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<h3>Welle des Rassismus<\/h3>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;F\u00fcr mich war es ein Anschlag auf ein Symbol&#8220;, sagt Kornblum. Dass die vier jungen T\u00e4ter sp\u00e4ter behaupteten, nicht gewusst zu haben, dass sie eine Synagoge anz\u00fcndeten, mag er nicht glauben. &#8222;So etwas passiert nicht zuf\u00e4llig.&#8220;<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So sah es auch L\u00fcbecks damaliger B\u00fcrgermeister Michael Bouteiller. &#8222;Sie wollten ein Fanal setzen, das ist ihnen gelungen.&#8220; Die Tat versetzte ihn zur\u00fcck zu seinen Wurzeln: Einst hatte sich Bouteiller an der Uni Bielefeld und als Verwaltungsrichter mit Rassismus befasst. Er war in den Siebzigerjahren Mitgr\u00fcnder des Bielefelder Friedenshauses, einer Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr Deutsche und Ausl\u00e4nder.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<h3>Nun traf der Rassismus seine Stadt mit voller Wucht.<\/h3>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch heute gehen Bouteiller die Ereignisse vom M\u00e4rz 1994 sp\u00fcrbar nahe. Als erstes Wort f\u00e4llt ihm &#8222;Ersch\u00fctterung&#8220; ein, wenn er an den Moment denkt, als er den Tatort betrat. &#8222;Das Schlimmste war eingetreten. Wenn H\u00e4user brennen, sterben als n\u00e4chstes Menschen. Wer symbolisch eine Synagoge anz\u00fcndet, zeigt, dass er bereit ist, Menschen zu t\u00f6ten.&#8220;<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reporter aus aller Welt berichteten \u00fcber den Brand. Nach den Neonazi-Brandanschl\u00e4gen <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/brandanschlag-von-moelln-1992-ibrahim-arslan-erinnert-sich-a-947806.html\">in M\u00f6lln<\/a> und Solingen, den Krawallen <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/hoyerswerda-1991-rassistische-uebergriffe-in-sachsen-a-1112887.html\">in Hoyerswerda<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/rostock-lichtenhagen-1992-und-die-auslaenderfeindlichen-krawalle-a-1163378.html\">Rostock-Lichtenhagen<\/a> stand pl\u00f6tzlich das idyllische L\u00fcbeck in den Schlagzeilen, bis dahin eher ber\u00fchmt f\u00fcr die schmucke Altstadt.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<h3>&#8222;Politische Pogromstimmung&#8220;<\/h3>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">B\u00fcrgermeister Bouteiller, seit 1988 im Amt, wusste, wie sehr es unter der Oberfl\u00e4che der Postkartenkulisse brodelte. Seit Anfang der Neunziger diskutierte das vereinte Deutschland hitzig \u00fcber die zunehmende Migration, Folge unter anderem <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/jugoslawien-krieg-das-friedenskonzert-1991-in-sarajevo-a-1099958.html\">der Jugoslawienkriege<\/a>. &#8222;Das war eine politische Pogromstimmung, es hie\u00df, die St\u00e4dte m\u00fcssen dichtmachen.&#8220; Nach L\u00fcbeck kamen j\u00e4hrlich etwa 2000 Fl\u00fcchtlinge, so Bouteiller, dazu noch Sp\u00e4taussiedler aus der fr\u00fcheren Sowjetunion.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Asylkompromiss von 1993, der Zuwanderung massiv einschr\u00e4nkte, hielt Bouteiller f\u00fcr einen &#8222;gro\u00dfen Misserfolg&#8220; auch seiner Partei, der SPD, mit der er sich sp\u00e4ter \u00fcberwarf. In allen b\u00fcrgerlichen Parteien habe es damals Vorbehalte gegen Migranten gegeben. &#8222;So konnte sich ein v\u00f6lkisches Denken ausbreiten. &#8218;Deutschland den Deutschen&#8216; und &#8218;Das Boot ist voll&#8216; waren die Parolen der Zeit.&#8220; Trotz der sch\u00e4rferen Asylgesetze blieb der Hass &#8211; auch in L\u00fcbeck.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bouteiller sp\u00fcrte das schon, als er Wohnprojekte f\u00fcr Ausl\u00e4nder und Obdachlose errichten lie\u00df. &#8222;Die Seele der Stadt war schon immer zerrissen&#8220; &#8211; die Geburtsstadt von Willy Brandt und der liberalen Schriftstellerbr\u00fcder Heinrich und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/kalenderblatt-10-12-1929-a-948929.html\">Thomas Mann<\/a>, ebenso die Stadt von Hitlers Chefideologe Alfred Rosenberg, einst Ehrenb\u00fcrger L\u00fcbecks. Am Holstentor wehten Hakenkreuzfahnen, gleich neben der historischen Inschrift &#8222;Drinnen Eintracht &#8211; drau\u00dfen Frieden&#8220;.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<h3>Die wehrhafte Stadt<\/h3>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Brands\u00e4tze von 1994 drohten diese Eintracht zu zersetzen, auch wenn viele in der Stadt nun enger zusammenr\u00fcckten. Tausende versammelten sich bei Mahnwachen, beteiligten sich an Demonstrationen gegen Antisemitismus und Rassenhass. Besonders engagiert waren Sch\u00fcler und Jugendliche. Auch die j\u00fcdische Gemeinde schwei\u00dfte der Anschlag zusammen, erinnert sich Kornblum &#8211; der Schock traf am st\u00e4rksten die \u00c4lteren, die schon einmal Synagogen hatten brennen sehen.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<h3>Demo gegen den Synagogen-Anschlag<\/h3>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\r\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1875\" src=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image.jpg\" width=\"718\" height=\"441\" srcset=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image.jpg 718w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-300x184.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px\" \/>\r\n<figcaption>Foto:\u2002Stefan Hesse\/ picture-alliance\/ DPA<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<p><\/p>\r\n<h3>\u00a0<\/h3>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hansestadt zeigte ein wehrhaftes Gesicht, was auch Auslandsreporter anerkannten. Dann aber gab es jene B\u00fcrger, denen der Medienrummel und die Aufregung zu viel wurden, ganz nach dem Motto: Ist doch nur Sachschaden entstanden.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Diese Leute sagten: Was sollen diese vielen Demos, lasst uns zur Ordnung zur\u00fcckkehren, die Jugendlichen werden sonst nur aufm\u00fcpfig&#8220;, erinnert sich Bouteiller. &#8222;Sie sorgten sich nur um das Image der Stadt.&#8220; Das \u00e4rgert ihn bis heute. &#8222;Es ging doch nicht um den Ruf L\u00fcbecks. Eine Stadt bew\u00e4hrt sich nur durch ihre Taten, wenn sie Verantwortung \u00fcbernimmt.&#8220; Er versuchte es mit Aktionsb\u00fcndnissen, Erinnerungs- und Jugendarbeit.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<h3>Frust, Wut, Alkohol<\/h3>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derweil lief die Suche nach den T\u00e4tern. Nach einem Monat wurden vier junge M\u00e4nner festgenommen und wegen versuchten Mordes und Brandstiftung angeklagt. Wegen der Bedeutung des Falles \u00fcbernahm Bundesanwalt Klaus Pflieger, der schon <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/entfuehrung-von-hanns-martin-schleyer-vergessene-opfer-der-raf-a-1165562.html\">bei der Schleyer-Entf\u00fchrung<\/a> und anderen RAF-Terrorakten ermittelt hatte. Drei der Angeklagten stammten aus der rechtsextremen Szene, klischeehafte Verlierer aus einem Problemviertel: Kindheit in zerr\u00fctteten Familien, dann Kinderheim, Pflegeeltern, Sonderschule, Arbeitslosigkeit. Viel Frust, Wut, Alkohol.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Erhebliche intellektuelle Unterbegabung&#8220; und &#8222;schwere adoleszente Entwicklungs\u00fcberforderung&#8220; konstatierte ein Gerichtsgutachter. Einen Job hatte nur der vierte Angeklagte, der nicht aus rechtsradikalen Motiven handelte, aber ein Freund des Trios war: Als Kaufhausdetektiv in Hamburg hatte er noch am Abend vor dem Anschlag geholfen, einen Dieb zu \u00fcberf\u00fchren. Nun stand er selbst vor Gericht.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz serienweise widerrufener Gest\u00e4ndnisse lie\u00df sich die Tat grob rekonstruieren: Schon tags\u00fcber am 24. M\u00e4rz tranken die M\u00e4nner Bier, schliefen, tranken weiter. Dann bauten sie Molotowcocktails, trafen ihren Freund aus Hamburg und entz\u00fcndeten die Brands\u00e4tze in einem unverschlossenen Seiteneingang der Synagoge.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht verh\u00e4ngte Haftstrafen zwischen zwei und vier Jahren.Ruhe kehrte damit nicht ein. &#8222;Der Anschlag war ein Dammbruch&#8220;, so sieht es Bouteiller. Ein Mutmacher f\u00fcr Gleichgesinnte. Es folgte eine Serie von \u00dcbergriffen, die maximale Aufmerksamkeit garantierten. Von &#8222;vier Brandjahren&#8220; spricht Bouteiller, in denen engagierte Gegner von Ausl\u00e4nderhass pers\u00f6nlich angefeindet wurden.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 8. Mai 1995 &#8211; dem 50. Jahrestag des Kriegsendes &#8211; brannte es erneut auf dem Gel\u00e4nde der Synagoge. Ein angrenzender Schuppen war angez\u00fcndet worden. Der Fall wurde nie gekl\u00e4rt. Es folgte eine Briefbombe im L\u00fcbecker Rathaus, versendet von einem sp\u00e4ter verurteilten \u00f6sterreichischen Rechtsextremen. Die Bombe war adressiert an den stellvertretenden B\u00fcrgermeister Dietrich Szameit, der das Urteil gegen die Synagogen-Brandstifter als zu milde kritisiert hatte, verletzte aber einen anderen Mitarbeiter im Rathaus schwer an der Hand. Und dann stand 2001 eine Bombenattrappe auf dem Gel\u00e4nde der Synagoge.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der j\u00fcdischen Gemeinde schlug der anf\u00e4ngliche Trotz mit der Zeit in Angst um, erz\u00e4hlt Chaim Kornblum, heute Rabbiner in Gelsenkirchen. &#8222;Ich habe damals selbst \u00fcberlegt, ob ich meine Heimat Deutschland verlassen soll.&#8220; F\u00fcr seine kleine Tochter war die Bombenattrappe ein Schock. Sie fragte ihn: &#8222;Papa, warum machen Menschen so etwas? Warum m\u00f6gen sie uns nicht?&#8220;<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<h3>Die Tr\u00e4nen des B\u00fcrgermeisters<\/h3>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur Monate nach dem Urteil gegen die Synagogen-Attent\u00e4ter brannte es abermals in L\u00fcbeck, mit verheerenden Folgen. Zehn Menschen starben am 18. Januar 1996 in einem Asylbewerberheim. Der Anschlag ist bis heute unaufgekl\u00e4rt, verd\u00e4chtige Neonazis wurden nie angeklagt. &#8222;Eine offene Wunde&#8220; nennt Bouteiller den Fall.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\ufffc <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1876\" src=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-1.jpg\" width=\"718\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-1.jpg 718w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-1-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px\" \/><\/p>\r\n<p><\/p>\r\n<figure>\r\n<figcaption>Brandanschlag 1996 Foto:\u2002Wolfgang Langenstrassen\/ picture-alliance\/ DPA<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<p><\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damals brach der B\u00fcrgermeister bei einem Treffen mit Opfern in Tr\u00e4nen aus. Und polarisierte damit. &#8222;Ich bekam viel Zuspruch, aber einige fanden, ich sollte lieber meine Pflicht tun, statt rumzuheulen.&#8220; Zudem nahmen Bouteiller manche \u00fcbel, dass er ein Ende des &#8222;unmenschlichen Asylgesetzes&#8220; verlangte und zu &#8222;zivilem Ungehorsam&#8220; aufrief, um Abschiebungen zu verhindern.<\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/archive\/1873\/9cee1809-cd73-4529-baf1-9edbe0fecdf1\" rel=\"attachment wp-att-3660\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3660\" src=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/9CEE1809-CD73-4529-BAF1-9EDBE0FECDF1.jpeg\" alt=\"\" width=\"1051\" height=\"925\" srcset=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/9CEE1809-CD73-4529-BAF1-9EDBE0FECDF1.jpeg 1051w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/9CEE1809-CD73-4529-BAF1-9EDBE0FECDF1-300x264.jpeg 300w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/9CEE1809-CD73-4529-BAF1-9EDBE0FECDF1-1024x901.jpeg 1024w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/9CEE1809-CD73-4529-BAF1-9EDBE0FECDF1-768x676.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1051px) 100vw, 1051px\" \/><\/a><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch wie sonst den Hass bek\u00e4mpfen? L\u00fcbecks evangelischer Pastor G\u00fcnter Harig predigte Toleranz und gew\u00e4hrte einer algerischen Familie Kirchenasyl. Damit wurde er wie Bouteiller zum Feindbild der Rechten. Sie schmierten Hakenkreuze an Kirchenw\u00e4nde, dazu Warnungen: &#8222;Harig, wie kriegen dich.&#8220; Im Mai 1997 brannte die katholische St.-Vicelin-Kirche fast komplett aus. &#8222;Das ist nicht L\u00fcbeck&#8220;, sagte Bouteiller damals konsterniert. Und machte trotzdem weiter, mit engagierter Sozial- und Jugendpolitik.<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist es wieder sein L\u00fcbeck. Der ehemalige B\u00fcrgermeister Bouteiller ist \u00fcberzeugt: Die Stadt hat den Anschlag auf die Synagoge verarbeitet. Vergessen darf sie ihn nicht<\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><!--nextpage--><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<h1>Der zweite Anschlag auf die Synagoge am 5.Mai 1995, dem 50. Jahrestag des Kriegsendes, wurde nicht aufgekl\u00e4rt<\/h1>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<h1>Der Anschlag auf die Hafenstra\u00dfe 96 am 18.1.1996<\/h1>\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von den vier Brandanschl\u00e4gen, den Synagogenbr\u00e4nden 1994 und 1995, dem Brand in der Hafenstra\u00dfe 1996 und dem Anschlag auf die St.Vicelin-Kirche 1997 war der Brandanschlag auf die Asylbewerber-Unterkunft wohl der schrecklichste. Die Reportage des NDR (Panorama vom 19.1.2016 &#8211; <a href=\"https:\/\/youtu.be\/U1ag1HJnRNw\">https:\/\/youtu.be\/U1ag1HJnRNw<\/a>) gibt einen \u00dcberblick.<\/p>\r\n<h2>\u00a0<\/h2>\r\n<h1>Der Anschlag auf St. Vicelin am 25.Mai 1997<\/h1>\r\n<p>Am 25.Mai 1997 ver\u00fcbten drei L\u00fcbecker Jugendliche einen Brandanschlag auf die katholische St.Vicelin Kirche in L\u00fcbeck- St.J\u00fcrgen. Die Kirche brannte aus. \u00a0Sie spr\u00fchten Hakenkreuze. \u00a0Au\u00dferdem schmierten sie den Namen Pastor Harichs an die Wand, der in seiner Gemeinde einer algerischen Familie seit drei Wochen Schutz vor der Abschiebung bot: &#8222;Harig, wir kriegen dich&#8220;.<\/p>\r\n<h2><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1889\" src=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vic7.jpg\" alt=\"\" width=\"1473\" height=\"2003\" srcset=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vic7.jpg 1473w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vic7-221x300.jpg 221w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vic7-753x1024.jpg 753w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vic7-768x1044.jpg 768w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vic7-1130x1536.jpg 1130w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vic7-1200x1632.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1473px) 100vw, 1473px\" \/><\/h2>\r\n<p><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1897\" src=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-2.jpg\" width=\"1869\" height=\"857\" srcset=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-2.jpg 1869w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-2-300x138.jpg 300w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-2-1024x470.jpg 1024w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-2-768x352.jpg 768w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-2-1536x704.jpg 1536w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/image-2-1200x550.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1869px) 100vw, 1869px\" \/><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vier Brandanschl\u00e4ge der 90er Jahre haben L\u00fcbeck ver\u00e4ndert &nbsp; Es begann mit dem Anschlag auf die Synagoge. Dieser Brand ersch\u00fctterte die Stadt. Der Spiegel hat die Geschehnisse zusammengefasst (https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/luebeck-rueckblick-auf-den-anschlag-der-synagoge-1994-a-1258588.html). Brandanschl\u00e4ge in L\u00fcbeck Hass, Rassismus und eine Synagoge in Flammen 1994 z\u00fcndeten Rechtsradikale L\u00fcbecks Synagoge an. Erstmals seit dem Nazi-Terror brannte wieder ein j\u00fcdisches Gotteshaus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1873","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1873","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1873"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1873\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3699,"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1873\/revisions\/3699"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1873"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1873"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1873"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}