{"id":5040,"date":"2022-04-04T02:56:32","date_gmt":"2022-04-04T00:56:32","guid":{"rendered":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/?p=5040"},"modified":"2022-04-04T03:06:53","modified_gmt":"2022-04-04T01:06:53","slug":"verblendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaelbouteiller.de\/?p=5040","title":{"rendered":"Verblendung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5043\" src=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Verblendung-220404-250x300.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Verblendung-220404-250x300.png 250w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Verblendung-220404-854x1024.png 854w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Verblendung-220404-768x921.png 768w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Verblendung-220404-1281x1536.png 1281w, https:\/\/michaelbouteiller.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Verblendung-220404.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/p>\n<h2>Verblendung<\/h2>\n<p>L\u00fcbeck, 2.4.2022<\/p>\n<p>Hans von Trotha sagte im Podcast des Deutschlandfunks Kultur vom 30.3.2022: &#8222;Dieser Satz wird in die Geschichte eingehen, weil er in drei Sekunden die Dimension der Zeitenwende ausdr\u00fcckt, an der wir seit dem 24. Februar 2022 stehen: &#8222;Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht&#8220; sagte Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock am Morgen des russischen \u00dcberfalls auf die Ukraine. Bis zu diesem Tag hatten wir in der Vorstellung gelebt, dass wir nach 1945 oder genauer nach 1989 ein internationales System aufgebaut h\u00e4tten, das zumindest in Europa vor Kriegen sch\u00fctzt&#8230;&#8220;(Hans von Trotha, \u201e Zum ewigen Frieden\u201c,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Immanuel Kant und unsere heutige Realit\u00e4t, Deutschlandfunk Kultur,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>30.3.2022)<\/p>\n<p>Die Welt war indes vor und nach dem 24.Februar dieselbe. Da hat sich nichts ge\u00e4ndert. Denn auch nach 1989 gab es Kriege in Europa, den Ersten Tschetschenienkrieg (1994 bis 1996), den Zweiten Tschetschenienkrieg (1999 bis 2009), die Balkankriege in den 1990er Jahren mit \u00fcber 200.000 Toten, den Kaukasuskrieg 2008, die russische Besetzung der Krim 2014. Ich rede nur von den europ\u00e4ischen Kriegen. Alles vergessen?<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein erschreckender Irrtum all jener, die tats\u00e4chlich dachten, was Hans von Trotha im Deutschlandfunk behauptet. Denn wer nach dem m\u00f6rderischen Angriffskrieg gegen die Ukraine seine Welt in Tr\u00fcmmern sieht, lebte bis dahin im Traum. Traumdeutung w\u00e4re also schnellstens geboten. Tr\u00e4ume dieser Art sind n\u00e4mlich hochgef\u00e4hrlich. Sie widersprechen im \u00dcbrigen dem Regierungseid, Schaden vom Volk abzuwenden. Denn wer sie verbreitet, der schadet dem Volk.<\/p>\n<p>Solcherart Tr\u00e4ume sind etwas f\u00fcr Milliard\u00e4re, die ortlos sind, und ihr Geld mit der Dummheit verdienen. Sie sind das sprichw\u00f6rtliche Opium f\u00fcr\u2019s Volk, da sie mit Erfolg von dem ablenken, was seit langem auf der Tagesordnung steht &#8211;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>ungel\u00f6st. Denn jeder und jede wei\u00df inzwischen, dass der europ\u00e4ische Krieg nicht in der Schlacht um die Ukraine gewonnen wird. Im Europ\u00e4ischen Krieg geht es nicht um die Ukraine, sondern um den Lebensstandard. Mit der erfolgreichen Schlacht um den zuk\u00fcnftigen Lebensstandard wird der Europ\u00e4ische Krieg entschieden. Der deutsche Lebensstandard zum Beispiel: Er beruht zur Zeit auf vier S\u00e4ulen: Erstens auf Karbon als Energieform, zweitens auf weltweiter Ausbeutung der Arbeitskraft als Grundlage der deutschen \u00d6konomie, drittens auf dem atomaren Schutzschild der NATO mit der Hegemonie der USA und viertens auf der Einigkeit der 27 Staaten in der EU als Mauer gegen die Begehrlichkeit der Dritten Welt. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dieser Traum vom heutigen deutschen Lebensstandard als der sch\u00f6nsten aller Welten ist am 24.Februar 2022 leider nicht geplatzt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Denn die herrschende Politik handelt nach wie vor nach dem Motto der Hauptfigur in Morgensterns Gedicht, das auch noch den passenden Titel \u201eDie unm\u00f6gliche Tatsache\u201c tr\u00e4gt: \u201e\u2026Und er kommt zu dem Ergebnis: \u2026Nur ein Traum war das Erlebnis. Weil, so schlie\u00dft er messerscharf, nicht sein \u00a0kann, was nicht sein\u00a0darf.\u201c Vielleicht sollte unser Wirtschaftsminister und Apothekersohn aus L\u00fcbeck bei seinem Vorg\u00e4nger, dem anderen L\u00fcbecker Apothekersohn, Erich M\u00fchsam, in die Schule gehen. Denn der stand bei all seinem beachtlichen revolution\u00e4ren politischen Handeln immer auf der richtigen Seite. Er verachtete die Sp\u00f6kenkiekerei: ihm w\u00e4re folgender Satz und die darin liegende Flucht aus der Realit\u00e4t in die Konstruktion von Wirklichkeit nicht in den Sinn gekommen, die unser Wirtschaftsminister Habeck allen Ernstes als seine vorrangige Welterkenntnis uns 2018 anbietet: \u201eIn der Politik ist Sprache das eigentliche Handeln. Ganz buchst\u00e4blich. Indem Eide geschworen und Gesetze beschlossen werden, tritt eine neue Wirklichkeit in Kraft. ..\u201c(Robert Habeck, Wer wir sein k\u00f6nnten. Warum unsere Demokratie eine offene und vielf\u00e4ltige Sprache braucht, eBook Kiepenheuer &amp; Witsch 2018, S.16).<\/p>\n<p>Nein, h\u00e4tte ihm Erich M\u00fchsam entgegengehalten, nicht das Bewusstsein bestimmt das Sein, sondern das Sein bestimmt immer noch das Bewusstsein: Ihr k\u00f6nnt reden, was ihr wollt und politische Texte verfassen, soviel ihr wollt, am Ende bestimmt \u00fcber Krieg und Frieden die Politische \u00d6konomie. Es herrscht zur Zeit das Karbon und die damit verbundene Macht und nicht Moral und Recht. Da hilft zur Zeit auch kein Kotau vor den M\u00e4rchenprinzen aus dem Morgenland. An der Abh\u00e4ngigkeit vom \u00d6l und Gas \u00e4ndert sich dadurch nichts, nur die Despoten sind andere und ein St\u00fcck weiter weg. Marx erkannte diese Flucht der Deutschen vor der Herrschaft des Kapitals in den Himmel des Geistes und der literarischen Texte 1847\/48 im Politischen Manifest. Hoffentlich wacht auch das Kabinett Scholz auf und widmet sich den wirklichen Problemen dieser einen Welt. Eine andere gibt es nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verblendung L\u00fcbeck, 2.4.2022 Hans von Trotha sagte im Podcast des Deutschlandfunks Kultur vom 30.3.2022: &#8222;Dieser Satz wird in die Geschichte eingehen, weil er in drei Sekunden die Dimension der Zeitenwende ausdr\u00fcckt, an der wir seit dem 24. 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