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Der „Motor der Wirtschaft“ als Abrissbirne

„Motor der Wirtschaft“ als globale Abrissbirne – Günther Möwes

FR. Vom 26.01.2021, 15:13 Uhr

Von: Günther Moewes

Der „Motor der Wirtschaft“ ist in Wirklichkeit die größte Abrissbirne für Globus, Klima, Natur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. © Imago Images

Von 1941 bis 1978 verdoppelten sich die Löhne der US-Arbeiter. Heute dagegen besitzen die drei reichsten US-Milliardäre so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der US-Bevölkerung. 

Superreichtum entzieht sich der Vorstellungskraft des Laien. Manche stellen ihn in Geldscheinstapeln dar: Wenn ein 100-Dollar-Schein 0,1 mm dick ist, ist eine Milliarde in 100-Dollar-Scheinen einen Kilometer hoch. Das Vermögen von Elon Musk, des derzeit reichsten Mannes der Welt, beträgt 195 Milliarden US-Dollar. In 100-Dollar-Scheinen ist das ein Stapel von 195 Kilometern Höhe.

Das eigentlich irre ist aber die jährliche Zunahme der Supervermögen: Die Vermögen der zehn Reichsten der Welt betrugen 2010 zusammen 342 Milliarden Dollar, 2021 bereits 1 136 Milliarden. Zuwachs: 233 Prozent. 

Die 2189 Milliardäre der Welt besaßen 2010 zusammen vier Billionen Dollar. Im April 2020 waren es bereits acht Billionen und Ende 2020 10,2 Billionen. Zunahme allein in den letzten acht Monaten: 28 Prozent. In Deutschland besitzen die drei reichsten Familien zusammen „nur“ 106 Milliarden Euro.

Diese monströsen Kapitalanhäufungen auf der einen Seite erzeugen auf der anderen Seite den gleich großen Fehlbedarf bei der Existenzsicherung der weltweiten Bevölkerungen. Wir alle bezahlen diese Monstervermögen mit Preisen, Mieten, Einkommensverlusten und fehlenden öffentlichen Leistungen bei Grundeinkommen, Pflege, innerer Sicherheit, Lebensmittelkontrolle etc.. 

In den ärmeren Ländern geht das bis zu Existenzverlust und Hungertod: Etwa wenn Fischer, Kleinbauern und Kleinunternehmer ihre Lebensgrundlagen an Fischereifangschiffe oder Importeure von Billiglebensmitteln und -textilien aus Industrieländern verlieren.

In den Industrieländern wird dieser Fehlbedarf von der Politik durch die „Beschaffung“ vermeidbarer Beschäftigungen kompensiert. Notwendige Arbeit, etwa bei Pflege, Kitas, wird nicht so gern „beschafft“. Ungleichverteilung und Beschaffung vermeidbarer Arbeit sind also zwei Seiten derselben Medaille. 

Die Arbeitsbeschaffer sind die Wasserträger der Milliardäre. Dieser katastrophale Anachronismus wird dann als „Motor der Wirtschaft“ begriffen. In Wirklichkeit ist er die größte Abrissbirne für Globus, Klima, Natur und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Der Autor ist emeritierter Professor für Industrialisierung und Verteilungs- und Wachstumskritiker. Er hat seine FR-Kolumnen in dem Buch „Arbeit ruiniert die Welt“ zusammengefasst.

Siehe auch:https://michaelbouteiller.de/wp-content/uploads/2024/11/Der-heutige-Kapitalismus-verarmt-die-Gesellschaft-und-staerkt-den-Faschismus-2-1.pdf;

und: https://michaelbouteiller.de/wp-content/uploads/2026/04/Bild-2.pdf

Von Michael Bouteiller

1943,
Wiss.Assistent Universität Bielefeld,
Richter am Verwaltungsgericht Minden,
Gründung IBZ Friedenshaus (Internationales Begegnungszentrum) Bielefeld,
Aufbau und Leitung Wasserschutzamt Bielefeld,
Bürgermeister a.D. Lübeck,
Rechtsanwalt bis April 2024,
Autor

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