Ich lese nach einer Diskussion hier im Katharineum am 6.5.2026 zur Frage: „Kämpfen wofür? – Zeitenwende und Wehrpflicht“, das Buch von Ole Nymoen, „Warum ich niemals für Deutschland kämpfen würde“. Nymoen saß mit auf dem Podium.
Das Spannende an Ole Nymoens (1998*) Diagnose Ist seine Verbindung von Demokratie und politischer Ökonomie. Wenn er sagt, er würde in keinem Fall für sein Land kämpfen, meint er, ein Land zu verteidigen, das im Wesentlichen den Reichen gehört, lehne er ab. In der Tat: Zwei Drittel des Vermögens in Deutschland gehört 10 % der deutschen Bevölkerung.
Die augenblickliche Diskussion in der Regierung betrifft nicht die Vermögensverteilung, also die von Ole Nymoen beklagte Klassenfrage und geht deshalb daneben. Während die SPD den Spitzensteuersatz anheben will, argumentiert die CDU, den größten Anteil an der Einkommensteuer leisteten die oberen 10 %. Das ist zwar richtig, beweist aber auch, dass mit der Einkommensteuer die Frage der ungerechten Vermögensverteilung, d.h. die politische Machtfrage nicht berührt wird.
Hier wirken lediglich Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer und die Steuer auf Kapitaleinkünfte. Vermögenssteuer wird seit 1997 nicht mehr erhoben, Erbschaftssteuer für große Vermögen liegt je nach Gestaltung oft bei 0%. Während Kapitaleinkünfte lediglich zu 25 % zu versteuern sind, trifft die arbeitende Mehrheit der Bevölkerung mit ihrem Einkommen aus Arbeit der Steuersatz von bis zu 42 %. Das ist für sich genommen ein Skandal.
In der Tat ist unser Land – gemessen an der Vermögensverteilung – keine Demokratie. Die Machtfrage läuft nicht über die Einkommens-verteilung, sondern ist eine Frage der Vermögensverteilung. Deshalb trifft das Buch von Nymoen ins Zentrum der wehrpflichtigen Jugend. Und lenkt hoffentlich die Aufmerksamkeit auf die Klassenfrage.